Über Roswitha Nerreter

Roswitha Nerreter wurde 1942 in Nürnberg geboren. Ihr Interesse für Künstler und die Kunst der Malerei, sowie ihre Freude am Malen und künstlerischen Gestalten veranlasste sie nach einer kaufmännischen Lehre dazu, eine Ausbildung zur Fachlehrerin für Kunsterziehung zu machen.

Sie arbeitete dann als Kunstlehrerin u.a. in einer Volksschule in Lauf und an der Sonderschule Reutersbrunnenstraße. 1984 beteiligte sie sich an der öffentlichen Ausstellung „Fränkische Kunst“ im Kunsthaus Nürnberg. Die Regierung von Mittelfranken kaufte 2 Aquarelle dieser Ausstellung.

2002 begann sie mit dem Studiengang „Bildende Kunst“ an der Akademie Faber Castell in Stein bei Nürnberg. 2009 schloss sie dieses Studium mit einer Abschlußklausur und der Teilnahme an der Ausstellung „FAZlT 09“ mit Erfolg ab. Auf Empfehlung der Dozenten M. Kronberger und Prof. Bachhofer begann sie ein „Aufbaustudium Bildende Kunst“ von 2009 - 2011, das mit einer Evaluierung und der Teilnahme an der Ausstellung „Kunstzone 2012“ ebenfalls erfolgreich abgeschlossen wurde.

Rede Ausstellungseröffnung Roswitha Nerreter Zeltnerschloss 13.11.2015

Farbe, Farbe, Farbe. So könnte man bei einer ersten Draufsicht die Bilder von Roswitha Nerreter charakterisieren — eine Malerin, die es versteht, verschwenderisch — aber nicht planlos! - mit Farben, mit leuchtenden Farben und opulenten Formen umzugehen.

Es ist schön, dass die Nürnberger Malerin hier im Zeltnerschloss einen Ort gefunden hat für die Ausstellung ihrer expressiven, farben— und formenfrohen Werke. Roswitha Nerreter, 1942 geboren, Nürnbergerin, die sich zuerst in einem kaufmännischen Beruf orientierte, dann aber doch der künstlerischen Neigung nachgab: sie studierte zunächst an der Höheren Fachschule für Malerei und Grafik in Nürnberg bei Heinrich Rettner und dann am Konservatorium und an der Universität Augsburg Musik- und Kunsterziehung bei Franz Vornberger und arbeitete dann viele Jahre als Kunstlehrerin an der Volks- und Sonderschule. Bereits in den Sechziger Jahren beteiligte sie sich an ersten Ausstellungen und dann 1984 an der öffentlichen Ausstellung „Fränkische Kunst” im Kunsthaus Nürnberg, zwei Aquarelle wurden damals schon von der Regierung Mittelfranken angekauft.

Im Jahr 2002 begann sie dann mit dem Studiengang „Bildende Kunst” an der Akademie Faber-Castell in Stein, mir als heutigem Rektor der Akademie natürlich eine besondere Freude, dies zu sagen, und 2009 schloss sie dieses Studium mit der Abschlussausstellung „Fazit“ ab, dem Basisstudium schloss sie noch das zweijährige Aufbaustudium bei unseren Dozenten Markus Kronberger und Prof. Jörg Bachhofer an, das sie dann 2012 mit der Abschlussausstellung „Kunstzone" erfolgreich abschloss.

„Roswitha Nerreter malt abstrakt mit leuchtenden Farben"— steht in einer Information über die Arbeit der Künstlerin. Das stimmt und stimmt nicht. Die leuchtenden Farben im großen Ganzen -ja, aber schon hier gibt es differenzierte Abweichungen, wie Sie an den Bildern der Ausstellung erkunden mögen. Freilich, wir sehen hier die recht großformatigen, in leuchtendem Rot, Orange, Gelb gestalteten Bilder, aber eben auch vorsichtig zurückgenommene Farbabstufungen, wo die Farben ineinander übergehen, das Leuchtgelb andeutungsweise blau übermalt, sodass Schattierungen zutage treten, die eine Durchsicht erlauben, eine Filigranität, die sich wie ein Rätsel auf den Betrachter überträgt. Auch das „abstrakt“ mag nur vordergründig gelten —- hinter der ganzen Abstraktheit ihrer Bilder verbergen sich doch wieder Formen, die für etwas stehen mögen: beim Bild „Nizza" lese ich Schiffe, Segelboote, heraus; bei anderen Bildern erkenne ich Früchte, Trauben, Stauden von Pflanzen. Roswitha Nerreter abstrahiert, aber sie kommt von der Form, das erkennt man deutlich, sie transzendiert die Form hinein in Kunst, und das Ergebnis, das wir dann sehen, scheint abstrakt — aber so wenig oder viel abstrakt, dass der Betrachter sich wiederum — auf der Basis eigener Lebens- und Kunstbetrachtungserfahrung — in Formen zurückversetzen kann.

Dann, natürlich, die Farben: expressiv wird hier zumeist in den Farbenkasten gegriffen, expressiv und sicher. Roswitha Nerreter hat das Handwerk des Malens gelernt, wir haben darüber gesprochen, und sie hat sich ganz in der Tradition der akademischen Malerei stetig weiter entwickelt. Natürlich sagen ihre Bilder, sagen die leuchtenden Farben auch etwas über die Persönlichkeit, über den Charakter unserer Malerin. Sie lebt für ihre Malerei, das ist wichtig für einen Künstler, sich hineinzuversetzen in die eigene Arbeit, darin aufzugehen und dann doch wieder sich lösen zu können, sodass andere im Betrachten eigene Nähen zu dem Werk finden können. Das Leuchten in den Bildern findet man auch im Gesicht der Malerin, wenn man mit ihr über die eigenen Bilder spricht, aber nicht ein Leuchten der Selbstzufriedenheit oder der Selbstsicherheit, sondern ein Leuchten der Entdeckerin dessen, was sich ihr in ihren Bildern auch über ihr Selbst auftut. Überraschendes zuweilen, Verborgenes, aber auch allzu Bekanntes. Ihre Bilder sind Farbspiele, das ja, aber auch ganz entschlossene Erkundungen der eigenen Innenwelten — insofern mag auch der Ausstellungstitel „Iosgelöst” charakteristisch stehen für das Loslösen von Zwängen, für das sich ganz Hineinbegeben in die Welt der Farbe und der Kunst. Roswitha Nerreters Kunstwerke stecken voller Energie, voller Bewegung , man mag nur ahnen, was in dieser Künstlerin beim Schaffen ihrer Werke vorgeht.

Wir und damit meine ich auch meine Akademie Faber-Castell und ihre Angehörigen, sind stolz auf Sie, liebe Frau Nerreter, auf unsere Absolventin, die ihren Weg weiter geht, im Zweifeln, das gehört zu jeder ernst zu nehmenden Kunst, aber auch in der handwerklich-künstlerischen Sicherheit, bei deren Vermittlung wir Sie ein Stück weit begleiten durften.

Kunst stellt Fragen und gibt, wenn überhaupt, nur andeutungsweise Antworten, die vom Einzelnen weiter interpretiert werden müssen. Oft wirft Kunst im Gegenteil neue Fragen auf, im Betrachter, Fragen, über die er sich selbst kennenlernen kann. Unsere Künstlerin schafft dies ohne Aufsehen, sie stellt vor uns Bilder hin, die Orientierung geben und uns hineinführen in das eigene Leben, gehen wir nur das Abenteuer ein, uns mit diesen Bildern zu beschäftigen — Roswitha Nerreter kommt diesem Urwesen der Kunst sehr sehr nahe. Eine schöne Ausstellung, genießen sie sie alle!

Uli Rothfuss